Digitale Resilienz für Europa
Europa hängt digital am Tropf: Cloud, Chips, Plattformen und Standards werden anderswo kontrolliert. g_enesis ist der unabhängige Think Tank in Wien, der diese Abhängigkeiten sichtbar macht und in Strategien für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft übersetzt.
Digitale Systeme sind keine neutralen Werkzeuge. Hinter jeder Plattform, jeder Infrastruktur und jedem Standard stehen Menschen, Interessen und Machtverhältnisse. Wer diese nicht versteht, verliert Entscheidungsräume.
Das Problem ist: Viele der Systeme, auf denen Europas Wirtschaft, Verwaltung und öffentliche Debatte beruhen, werden außerhalb Europas designed und kontrolliert. Die Wahl ist oft darauf reduziert, das zu akzeptieren, was angeboten wird, oder außen vor zu bleiben. In einer sich rasant verändernden Welt ist es deshalb an der Zeit, diese Strukturen besser zu verstehen, Abhängigkeiten sichtbar zu machen und den beteiligten Akteuren neue Handlungsspielräume aufzuzeigen.
„Non, je ne peux pas le garantir.“
Microsoft France vor dem französischen Senat am 10. Juni 2025, gefragt, ob französische Daten dem Zugriff von US-Behörden entzogen werden können. Keine technische Grenze, eine juristische.
Abhängigkeit ist kein Schicksal. Sie bleibt jedoch unsichtbar, solange niemand sie ins Rampenlicht stellt, präzise misst, erklärt und damit verhandelbar macht.
Unsere Mission ist es, die digitalen Strukturen unserer Zeit ganzheitlich zu analysieren, ihre Auswirkungen verständlich zu machen und so Gestaltung zu ermöglichen. Wir arbeiten analytisch fundiert und institutionell unabhängig an der Schnittstelle von Technologie, Politik und Gesellschaft. Gemeinsam mit Entscheidungsträger:innen in Politik und Verwaltung, Unternehmen mit kritischer Infrastruktur und einer Öffentlichkeit, die verstehen will, wovon sie digital abhängt.
Die Welt befindet sich in einem tiefgreifenden technologischen und geopolitischen Wandel. Entscheidungen, die heute über digitale Infrastrukturen, Standards und Abhängigkeiten getroffen werden, bestimmen die Handlungsspielräume von morgen. Europa muss die digitale Welt nicht neu erfinden. Aber bei den tief liegenden, systemisch relevanten Systemen, auf denen Wirtschaft, Staat und Gesellschaft aufbauen, darf es nicht erpressbar sein.
Jetzt ist der Moment, diese Strukturen zu verstehen, bevor andere über unsere Gestaltungsmöglichkeiten entscheiden.
Aus einem Fleckenteppich soll ein Ökosystem werden.
Europas digitale Landschaft ist heute ein Fleckenteppich: nationale Insellösungen, konkurrierende Standards, doppelte Strukturen und Zuständigkeiten, die an jeder Grenze enden. Die Technologie dafür existiert längst. Was fehlt, ist Zusammenhang.
Wir arbeiten daran, aus diesen Einzelteilen ein europäisches Ökosystem zu machen: eines, das zusammenspielt statt nebeneinanderher zu laufen, und das europäische Werte in allen seinen Aspekten trägt, als Eigenschaft der Architektur: in Infrastruktur, Standards, Regeln und im täglichen Betrieb.
Working Papers und Policy Briefs, die technische Tiefe in politische Entscheidungsgrundlagen übersetzen.
Roundtables, Simulationen und Briefings in Wien: vertraulich, unabhängig und über Sektorgrenzen hinweg.
Wir machen Abhängigkeiten messbar, von digitalen Lieferketten bis zum Sovereign Stack Share.
Europa misst bislang, wie viel Cloud genutzt wird, aber selten, wem sie gehört. Wir arbeiten daran, diese Lücke zu schließen: mit Kennzahlen wie dem Sovereign Stack Share und mit spezifischen Netzwerkanalysen, die zeigen, wo Kontrolle tatsächlich sitzt. Schritt für Schritt, so belastbar, wie es die Datenlage erlaubt.
Das Österreichische Bundesheer stellt seine Office-Lösungen auf quelloffene Software um, die französische Gendarmerie und Dänemark gehen ähnliche Wege, und Schleswig-Holstein hat bereits rund 80 % von 30.000 Verwaltungsarbeitsplätzen migriert. Wir dokumentieren, was solche Umstiege kosten, was dabei bricht und was es braucht, um sie zu wiederholen. Der Ausstieg aus Abhängigkeiten ist machbar, aber nicht gratis.
Bei Cloud und Chips sind die Abhängigkeiten weitgehend zementiert, aber bei Quantum-Technologien und Post-Quantum-Kryptographie ist das Fenster noch offen. Wenn wir jetzt Standards setzen und Kapazität aufbauen, werden wir mitgestalten und nicht später nur auditieren. An diesem Fenster arbeiten wir, solange es offen ist.
Jedes Feld hängt mit den anderen zusammen.
Zur Themenlandkarte →Analyse, die auf technischem Verständnis basiert, nicht auf politischer Narration. Dafür nutzen wir neue Methoden: Datenanalyse, Simulation und Systemmodellierung statt Umfragen und Bauchgefühl. So sprechen wir die Sprache der Ingenieur:innen und die der Politik.
Frei von Unternehmensinteressen und politischen Aufträgen. Wir legen offen, wer uns finanziert und wie wir zu unseren Ergebnissen kommen. Unabhängigkeit ist die Bedingung dafür, dass eine Analyse überhaupt belastbar sein kann.
Regeln, die schützen, ohne zu lähmen. Für uns heißt das dreierlei: zeitgemäß, weil sie mit der Technologie Schritt halten. Strategisch, weil sie europäische Handlungsfähigkeit stärken statt sie zu verwalten. Nachhaltig, weil sie länger tragen als eine Legislaturperiode.
Technologischer Fortschritt als Mittel gesellschaftlichen Fortschritts, nicht als Selbstzweck und nicht als Machtinstrument.
Szenario-Planung und Foresight-Methoden, verankert in belastbaren Daten. Keine Spekulation ohne Substanz.
Wir suchen den Austausch mit allen Akteuren: Staaten, Unternehmen, Zivilgesellschaft. Wandel entsteht durch Überzeugung, nicht nur durch Regulierung.
Briefings, Mappings und Analysen zu digitaler Resilienz und Technologiepolitik.
Wir freuen uns über den Austausch mit Politik, Verwaltung, Unternehmen, Wissenschaft und allen, die an einem resilienten Europa arbeiten.